Blick über eine lange Werkbank in einer feinmechanischen Werkstatt, Werkzeuge hängen geordnet an der Lochwand, Späne liegen auf dem Holz.

Unternehmen

Menschen bei der Arbeit

Zwei Tage in einer Feinmechanikwerkstatt zwischen Hanauer Landstrasse und Mainufer. Werkzeuge, Späne und Gesichter, die nichts beweisen müssen.

Auftraggeber
Feinmechanik Reinhardt, Frankfurt-Fechenheim
Ort
Werkstatt und Materiallager, Frankfurt-Fechenheim
Umfang
Zwei Aufnahmetage, siebenundzwanzig gelieferte Bilder, sieben in dieser Auswahl
Fotografie
Foto Arnold Hahn und Valerie Schöning
Zeitraum
8. Mai 2026

Der Betrieb liegt in einer Seitenstrasse hinter der Hanauer Landstrasse, in einem Gebäude, das ursprünglich einmal eine Lackiererei war. Beim ersten Ortstermin habe ich gefragt, wann ich kommen soll, und der Meister hat geantwortet: zwischen neun und zehn, dann ist die Halle noch nicht so warm. Diese Auskunft war besser als jede Planung, die ich hätte vorlegen können.

Feinmechanik sieht auf Fotos selten so aus wie in Wirklichkeit. Es gibt keine Funken, keine sprühenden Späne und keine dramatischen Lichtkegel. Es gibt eine Drehbank, die mit einer Drehzahl läuft, bei der man das Gefühl hat, sie stehe still, und es gibt Hände, die mit vier Hundertstelmillimetern arbeiten, ohne hinzusehen. Wer das fotografieren will, muss lange genug bleiben, bis die Bewegung sitzt.

Was am ersten Tag nicht funktioniert hat

Ich habe am Donnerstag zu früh mit den Porträts begonnen. Der Meister stand vor dem Fenster, ich hatte das Licht hinter ihm, und wir haben zwanzig Aufnahmen gemacht, die alle nach Berufsbekleidungskatalog aussahen. Erst als ich die Kamera weggelegt und gefragt habe, seit wann er hier arbeitet, kam die Antwort, die ich gebraucht hätte: einunddreissig Jahre, davon siebzehn in dieser Halle. Das Bild danach, mit dem Fenster im Rücken, ist das dritte in dieser Serie.

Der zweite Tag war der bessere. Wir sind um Viertel vor neun gekommen und haben zwei Stunden lang nichts gestellt. Ich habe an der Werkbank gestanden, während gearbeitet wurde, und darauf gewartet, dass die Hand den Meissel ansetzt. Valerie stand am anderen Ende der Halle und hat die Räume aufgenommen, die niemand für fotogen hält: das Materiallager, den Boden unter der Bank, die Ablage mit den halbfertigen Teilen.

Anweisungen, die keine waren

Es gab an diesen zwei Tagen genau drei Absprachen mit den Mitarbeitenden: weiterarbeiten, die Schutzbrille aufbehalten, und nichts aufräumen. Am schwierigsten war der dritte Punkt. In einer Werkstatt besteht die Neigung, für Besuch Ordnung zu machen, und wir mussten erklären, dass die Späne auf dem Boden der Beweis dafür sind, dass hier tatsächlich gearbeitet wird.

Das Foto der Absprache an der technischen Zeichnung entstand, weil ich eine Frage gestellt habe, die ich mir vorher notiert hatte: Wie prüft man ein Bauteil, das man nicht messen kann? Der Meister hat sich über die Zeichnung gebeugt und mit dem Kugelschreiber auf eine Massangabe gedeutet. Der Kollege, der dazukam, ist nicht ins Bild gegangen, weil er nicht wollte. Man sieht seine Schulter am Rand. Ich habe das Bild behalten, weil genau das der Alltag in solchen Betrieben ist.

Feierabend ist ein eigenes Bild

Die letzte Aufnahme des zweiten Tages ist um zwanzig nach sechs entstanden. Alle Maschinen waren aus, bis auf eine Arbeitsleuchte über der Bank. Draussen war es schon dunkelblau, die Werkzeuge lagen noch so da, wie sie während der Arbeit gelegen hatten. Ich habe drei Aufnahmen gemacht und dann zusammengepackt, weil man in diesem Moment nicht länger bleiben sollte.

Ausgeliefert haben wir siebenundzwanzig Bilder. Sie hängen heute im Eingangsbereich, auf der Karriereseite und in einer Broschüre für die Ausbildungswerbung. Der Meister hat sich die Auswahl angesehen und gesagt, das sei ja alles sehr unspektakulär geworden. Ich habe ihm zugestimmt. Drei Wochen später hat er angerufen und gefragt, ob wir im Herbst wiederkommen, weil sie zwei neue Auszubildende haben und die Fotos von 2019 nicht mehr passen.

Bildstrecke

Sieben Aufnahmen aus zwei Tagen

Die Bilder folgen dem Arbeitstag: morgens die Werkbank, mittags die Maschine, abends die leere Halle.

  1. Die Werkbank, bevor die erste Maschine läuft. Die Ordnung ist gewachsen, nicht verordnet. Foto: Arnold Hahn & Valerie Schöning
  2. Vier Hundertstel. Wer hier steht, hört am Klang, ob der Schnitt stimmt. Foto: Arnold Hahn & Valerie Schöning
  3. Der Meister, seit einunddreissig Jahren im Betrieb. Kein Lächeln auf Kommando. Foto: Arnold Hahn & Valerie Schöning
  4. Späne auf den Dielen. Sauberkeit wäre hier eine Behauptung. Foto: Arnold Hahn & Valerie Schöning
  5. Das Materiallager. Handschriftliche Etiketten, teils dreissig Jahre alt. Foto: Arnold Hahn & Valerie Schöning
  6. Kurze Absprache an der Zeichnung. Danach wird wieder gearbeitet. Foto: Arnold Hahn & Valerie Schöning
  7. Feierabend. Eine Leuchte bleibt an, weil morgen früh jemand weitermacht. Foto: Arnold Hahn & Valerie Schöning
Kleine Bleistiftzeichnung eines Kontaktbogens mit mehreren kleinen Bildfeldern.

Sechs Bilder, die zusammen mehr sagen als jedes einzeln.

Nachweise