Zwei Perspektiven auf denselben Tag
Ein Fotoshooting vorbereiten, ohne alles festzulegen
Arnold Hahn und Mira Al-Mansoor5 Min.
Zwei Perspektiven auf denselben Tag
Ein Fotoshooting vorbereiten, ohne alles festzulegen
Eine ruhige Checkliste für private Termine und Unternehmensreportagen: Kleidung, Absprachen und Freiräume.
Dieser Beitrag hat zwei Verfasser, und das ist Absicht. Arnold Hahn fotografiert seit über zwanzig Jahren, Mira Al-Mansoor berät Betriebe zu Einwilligung und Bildrecht. Wir sind uns in fast allen Punkten einig und in zwei Punkten nicht, und beides steht hier.
Was vorher geklärt werden muss
Fangen wir mit dem Teil an, bei dem es keine Diskussion gibt. Es gibt vier Dinge, die vor einem Termin feststehen müssen, weil sie sich hinterher nicht mehr reparieren lassen.
Erstens die Verwendung. Wo erscheinen die Bilder, und für wie lange? Bei privaten Terminen ist die Antwort meistens einfach, bei betrieblichen selten. Wer sie nicht kennt, kann keine Einwilligung einholen, die trägt.
Zweitens die Personen. Wer kommt, wer kommt nicht, und wer möchte ausdrücklich nicht im Bild sein. Bei betrieblichen Terminen ist das der wichtigste Punkt überhaupt und wird am häufigsten übersprungen. Die Organisation dazu steht unter Mitarbeiterporträts planen.
Drittens der Ort und die Uhrzeit. Bei uns hängt beides zusammen, weil wir mit Tageslicht arbeiten. Ein Nordfenster funktioniert den ganzen Tag, ein Westfenster erst ab dem späten Nachmittag. Wer mehr darüber wissen möchte, findet die Grundlagen unter Licht im Raum.
Viertens die Frage, was mit den Bildern nach der Übergabe passieren darf. Das ist der Punkt, an dem Mira nicht verhandelt. Ohne schriftliche Einwilligung, die den Zweck benennt, wird nichts veröffentlicht. Die Einzelheiten stehen unter Bildrechte bei Mitarbeiterfotos.
Was man bewusst offenlässt
Jetzt zu dem Teil, bei dem wir unterschiedlich streng sind. Arnold neigt dazu, möglichst wenig festzulegen. Mira hält feste Absprachen für die Voraussetzung dafür, dass Menschen sich sicher fühlen. Beide Haltungen haben einen Kern, der stimmt.
Was Arnold offenlässt: die genaue Position im Raum, die Reihenfolge der Aufnahmen, die Zahl der Auslösungen und die Frage, ob gelacht wird. Alles, was während des Termins entschieden werden kann, wird während des Termins entschieden. Der Grund ist praktisch: Eine Festlegung, die vor dem Termin getroffen wurde, muss während des Termins verteidigt werden, und das kostet Aufmerksamkeit, die woanders gebraucht wird.
Was Mira festhält: die Verwendung, die Rechte, die Pausen und die Möglichkeit, jederzeit abzubrechen. Das sind keine gestalterischen Fragen, sondern Bedingungen. Sie müssen vorher stehen, damit während des Termins niemand darüber nachdenken muss.
Der Unterschied lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Über Bilder entscheidet man am besten vor Ort. Über Rechte entscheidet man am besten vorher.
Zur Vorbereitung gehört auch die Frage, wie der Raum aussehen soll, in dem fotografiert wird. Was der Ausschnitt mit der Wirkung macht, steht unter Was der Bildrand verändert. Und wenn der Termin in einem Betrieb stattfindet, dessen Gebäude eine Geschichte hat, lohnt sich ein Blick darauf, wie ein Ort ins Bild kommt, ohne zur Kulisse zu werden; das steht unter Fotografieren in Fechenheim und Frankfurt.
Die Sache mit der Kleidung
Zur Kleidung gibt es einen kurzen Rat und einen langen. Der kurze lautet: Bringen Sie zwei oder drei Oberteile mit, die Sie tatsächlich tragen, und lassen Sie alles zu Hause, was Sie erst kaufen müssten. Ein neues Hemd sitzt am ersten Tag nie so, wie es sitzen soll, und man sieht ihm die Frische an.
Der lange Rat betrifft Muster und Farben. Feine Streifen und kleine Karos erzeugen im Bild ein Flimmern, das man als störend empfindet, ohne es benennen zu können. Grosse Logos und Aufschriften lenken ab, weil das Auge sie zuerst liest. Sehr helle und sehr dunkle Flächen nebeneinander erzeugen harte Kanten. Reine weisse Oberteile sind kein Problem, solange sie nicht neben einem weissen Hintergrund stehen.
Für Betriebe gibt es eine zusätzliche Regel, die wir beide vertreten. Keine einheitlichen T-Shirts mit Firmenlogo, es sei denn, sie werden im Alltag tatsächlich getragen. Eine Belegschaft, die nur für das Foto in Firmenkleidung erscheint, wirkt im Bild wie eine Wandergruppe.
Pausen und die Erlaubnis, aufzuhören
Ein Termin, der zwei Stunden dauert, braucht mindestens eine Pause. Das ist keine Höflichkeit, sondern ein Qualitätsfaktor: Ab der neunzigsten Minute sehen die meisten Menschen müder aus, und Müdigkeit lässt sich nicht wegmoderieren.
Wichtiger als die Pause ist allerdings ein Satz, der vorher gesagt werden muss. Sie können jederzeit aufhören. Klingt selbstverständlich und ist es nicht, weil viele Menschen glauben, sie hätten sich mit der Zusage zu etwas verpflichtet. Wer diesen Satz vorher hört, entspannt sich messbar, und das ist der eigentliche Zweck.
Vorher steht allerdings noch eine Entscheidung, die nicht jeder treffen möchte. Wer Bilder aus einer Datenbank ergänzen will, sollte wissen, was er sich damit einhandelt; die Argumente stehen unter Unternehmensfotos, die nach Unternehmen aussehen.
Was danach passiert
Nach dem Termin sitzen wir gemeinsam vor dem Bildschirm, und das ist bei privaten Aufnahmen genauso wie bei betrieblichen. Sie sehen alles, was entstanden ist, auch die misslungenen Aufnahmen. Diese Offenheit kostet nichts und verhindert, dass später jemand eine Aufnahme entdeckt, von der er nichts wusste.
Danach braucht die Auswahl eine Struktur, und zwar bevor sie veröffentlicht wird. Wie man aus zweihundert Dateien zwölf brauchbare Bilder macht, steht unter Bilder für die Unternehmenswebsite auswählen. Warum eine kleine, geordnete Serie mehr leistet als eine grosse Sammlung, steht unter Warum eine Bildserie mehr erzählt.
Ein Wort zur Vorbereitung auf beiden Seiten
Wir bereiten uns unterschiedlich vor. Arnold schaut sich den Raum vorher an, ohne Kamera, und notiert Uhrzeiten. Mira liest die Einwilligungsunterlagen und prüft, ob der Verwendungszweck vollständig beschrieben ist. Wenn beide Vorbereitungen stattgefunden haben, ist der Termin selbst unspektakulär. Das ist das Ziel.
Wer zum ersten Mal vor einer Kamera steht und nicht weiss, was ihn erwartet, findet unter Ein gutes Porträt beginnt vor der Kamera eine ausführliche Beschreibung des Ablaufs. Und die Frage, die dabei fast immer gestellt wird, ist unter Was mache ich mit meinen Händen? beantwortet.
Zum Schluss noch der Punkt, der am häufigsten vergessen wird. Bringen Sie sich Wasser mit oder nehmen Sie unseres. Zwei Stunden ohne etwas zu trinken sind für die Stimme und für das Gesicht spürbar, und der Unterschied zwischen einem Bild um vierzehn Uhr und einem um halb fünf ist oft genau das.
Arnold Hahn
Arnold Hahn hat 2004 ein Hinterhaus in Alt-Fechenheim bezogen und dort ein Studio eingerichtet, das bis heute vor allem aus Nordlicht, zwei Holztischen und viel Boden besteht. Er fotografiert Menschen, Arbeitsorte und Werkstätten, meistens mit einer Kamera, die er seit fünfzehn Jahren benutzt. Vor der Aufnahme spricht er länger als viele Kolleginnen und Kollegen für nötig halten.
Mira Al-Mansoor berät Betriebe zu Bildrechten, Einwilligung und barrierefreier Bildsprache. Sie übersetzt Paragrafen in Handgriffe, die man sich merken kann. Ihr Ausgangspunkt ist selten das Gesetz, sondern die Frage, wie sich eine Person fühlt, wenn ihr Bild zwei Jahre später in einem Zusammenhang auftaucht, den sie nicht kannte.
„Ich schaue zuerst, wo das Licht herkommt. Meistens ist es ein Fenster, manchmal eine weiße Wand, die den Nachmittag zurückwirft.“